Jeans und Nachhaltigkeit
- Stefan Schuster

- 16. Apr. 2022
- 2 Min. Lesezeit

Sind Jeans nachhaltig? Nein, sind sie nicht! Das gilt jedoch nicht nur für Jeans, sondern für die meisten gewöhnlichen Bekleidungsstücke, für viele Lebensmittel, für Kraftfahrzeuge, für mehr oder weniger alle Elektroartikel, für Urlaubsreisen, Kosmetika und Körperpflegeprodukte und, wenn man es so sehen will, für fast alle Produkte des täglichen Bedarfs.
Die Frage, ob Jeans nachhaltig sind, lässt sich jedoch nicht ganz so einfach beantworten, wie es zunächst scheint. Die Antwort hängt im Wesentlichen von der Definition des Begriffs Nachhaltigkeit ab. Der Begriff und gleichzeitig auch das Prinzip der Nachhaltigkeit kommt aus der Forstwirtschaft und wurde erstmals 1713 von Hans Carl von Carlowitz dahingehend formuliert, dass nicht mehr Holz gefällt werden darf, als jeweils nachwachsen kann.
Allgemein traditionell formuliert, ist Nachhaltigkeit eine Ressourcennutzung bei der eine dauerhafte Bedürfnisbefriedigung auch kommender Generationen gewährleistet wird. Legt man dieses Verständnis von Nachhaltigkeit zu Grunde, dann sind Jeans nachhaltig, da sie aus dem nachwachsenden Rohstoff Baumwolle hergestellt werden und nachdem sie ausgedient haben, zeitnah rückstandslos verrotten. Jeans können gegebenenfalls kompostiert werden.
Heute besteht jedoch Einigkeit dahingehend, dass der Begriff der Nachhaltigkeit weiter gefasst werden muss. Die Brundtland-Kommission der Vereinten Nationen, benannt nach der legendären norwegischen Ministerpräsidentin und Umwelt-Politikerin Gro Harlem Brundtland, hat ein neues Verständnis von Nachhaltigkeit entwickelt. Danach sollen ökologische, ökonomische und soziale Ziele nicht gegeneinander ausgespielt sondern gleichrangig angestrebt werden. Nachhaltigkeit in diesem Sinne soll für alle Länder der Welt, Gedanke der globale Gerechtigkeit und für künftige Generationen, Gedanke der Generationengerechtigkeit, gelten. Eine Kommission des Deutschen Bundestags hat daraus ein Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit entwickelt. Danach setzt sich der Begriff der Nachhaltigkeit aus einer ökologischen, ökonomischen und sozialen Nachhaltigkeit zusammen. Alle drei Säulen der Nachhaltigkeit sollen im Einklang miteinanderstehen, der sog. Einklang des Dreiklangs. Es wird noch weiter Differenziert nach schwacher Nachhaligkeit, das Drei-Säulen-Modell, und starker Nachhaltigkeit, das Vorrangmodell.
Das Drei-Säulen-Modell einer (schwachen) nachhaltigen Entwicklung geht von der Vorstellung aus,

dass nachhaltige Entwicklung nur durch das gleichzeitige und gleichberechtigte Umsetzen von umweltbezogenen, wirtschaftlichen und sozialen Zielen erreicht werden kann.
Nach dem Vorrangmodell für eine (starke) Nachhaltigkeit ist keine Wirtschaft ohne Gesellschaft und

keine Gesellschaft ohne Ökologie möglich. Im Focus steht die Nachhaltigkeit der Ökologie.
Legt man ein wie auch immer geartetes weiter gefasste Verständnis von Nachhaltigkeit zu Grunde, dann sind Jeans nicht nachhaltig. Bemerkenswert, dass die UNO die Modeindustrie weltweit an die zweite Stelle der Umweltverschmutzer gesetzt und dass dieser Sektor negative Schlagzeilen über die Lage seiner Arbeitnehmer in den Entwicklungsländern gemacht hat. Ich will mir an dieser Stelle weitere Ausführungen hierzu ersparen und verweise auf die nachfolgenden Videos und Dokumentationen (sehenswert).
Die entscheidende Frage ist, wie kann man mit dieser Situation vernünftigerweise umgehen?
Es gibt eine Vielzahl von Lösungsansätzen. Beispielsweise:
Eine längere und intensivere Nutzung von bereits vorhandenen Jeans in unseren Kleiderschränken. Die die Ausbesserung beschädigter Jeans.
Die Umarbeitung/Aufbereitung alter Jeans.
Der Kauf von Bio-Jeans und Fair-Trade-Jeans.
Der Kauf von Second-Hand-Jeans.
Der bewusste und kritische Umgang mit Bekleidung.
Falls ihr weitere Vorschläge habt, steht euch jederzeit das Forum zur Verfügung.

